shz.de: “Konflikte lösen ohne Prozess”

Mediation wird immer bekannter. Hier ein Auszug aus einem Artikel, der am 11.03.2010 auf shz.de veröffentlicht wurde:

Ärger mit den Nachbarn? Beziehung am Ende? Krach wegen der Erbschaft? Ein Rechtsstreit muss nicht immer gleich vor Gericht landen. Eine Alternative ist die Mediation – eine außergerichtliche Form der Konfliktbewältigung.

Das Verfahren ist schneller und preiswerter als ein Streit vor Gericht und funktioniert so: Zwei streitende, aber verhandlungsbereite Parteien suchen gemeinsam und freiwillig einen Vermittler, den Mediator, auf. Der arbeitet nach dem Prinzip der Allparteilichkeit, das heißt, der Mediator macht sich nicht mit einer Seite gemein. Er darf keine Sympathie oder Antipathie erkennen lassen und sollte sich auch mit Lösungsvorschlägen zurückhalten. Sinn der Mediation ist es, zwei gegensätzliche Parteien im Kommunikationsprozess in die Lage zu versetzen, ihre unterschiedlichen Interessen auszudrücken und einem Kompromiss zu finden. Mediation macht besonders dann Sinn, wenn zwischen den Streitparteien enge persönliche oder geschäftliche Verbindungen vorliegen: Mieter und Vermieter – Arbeitgeber und Mitarbeiter – Ehemann und Ehefrau.

Über 90 Prozent der Teilnehmer an Mediationsverfahren sind mit Verlauf und Ergebnis zufrieden. Bei Gerichtsverfahren sind es nur 30 Prozent. Werden Sie sich nicht einig, können Sie immer noch den Rechtsweg beschreiten. Nach Ansicht von Justizminister Emil Schmalfuß ist Schleswig-Holstein auf dem Gebiet der Mediation führend. Er will “dieses effiziente und nachhaltige Mittel der Streitschlichtung weiter bekannt machen und aktiv fördern”.

(Quelle: shz.deLink zum ganzen Artikel, fette Hervorhebungen durch die Verfasserin)

Ist Mediation für Ihr Unternehmen sinnvoll?

Nun, welche der folgenden Punkte können Sie spontan für Ihr Unternehmen bestätigen?

  • Es gibt einen Konflikt unter den Mitarbeitern, der bislang nicht zufriedenstellend gelöst wurde.
  • Eine schnelle, umsetzbare und dauerhafte Lösung muss her.
  • Wichtige Interessen und Ziele des Unternehmens sollen bei der Lösung berücksichtigt werden.
  • Diejenigen, die von dem Konflikt betroffen sind, sollen oder müssen auch künftig zusammenarbeiten.
  • Der Konflikt soll vertraulich im Unternehmen gelöst werden, möglichst ohne Entlassungen oder Gerichtsprozesse.
  • Das Betriebsklima soll motivierend und produktiv bleiben.

Rechtsschutzversicherungen setzen auf Mediation

Bei Welt online finden Sie einen sehr interessanten Artikel zum Thema Rechtsschutzsversicherung und Mediation: “Schnelle Versöhnung statt langem Rechtsstreit

Hier ein Auszug:

“Der Branchenverband GDV hat Mitte vergangenen Jahres eine Musterklausel für Mediation in Rechtsschutzverträgen vorgelegt. Übernommen haben diese etwa D.A.S., Roland, Arag und Allianz. ‘Wir rechnen damit, dass das bald Marktstandard wird’, sagt Nils Hellberg, Leiter Haftpflicht-, Unfall-; Rechtsschutz-, und Kreditversicherung beim GDV.

Zum Jahresbeginn hat die Arag ihre neue Produktgeneration der Rechtsschutz-Policen standardmäßig um die Mediation erweitert. Für Mediationsleistungen gelten bei der Arag keine Wartezeiten und Selbstbehalte. ‘Das Konfliktverhalten unserer Kunden ändert sich gründlich. Sie suchen nach einer nervenschonenden Streitbeilegung und wollen schon gar nicht vor Gericht prozessieren‘, sagt Hanno Petersen, Produkt- und Dienstleistungsvorstand der Arag. Auch bei der Roland ist die Mediation mittlerweile in allen hochwertigen Tarifen enthalten. Selbst bei nicht versicherten Rechtsproblemen wie etwa einer Scheidung übernimmt das Unternehmen die Kosten eines Mediators bis zu 500 Euro. Meist sind Mediatoren Anwälte oder Psychologen, es gibt aber auch Richter, die als Vermittler arbeiten. Mediatoren rechnen meist nach Stundensätzen zwischen 80 und 300 Euro ab.

[...]

Auch Verbraucherschützer begrüßen diese Form der Konfliktlösung. ‘Wir sehen den großen Vorteil darin, dass das neue Verfahren auf Friedensherstellung ausgerichtet ist’, sagt Hajo Köster, Berater beim Bund der Versicherten (BdV). So werde ein teurer Rechtsstreit vermieden. Zudem sparen Versicherte viel Zeit, da eine Mediation meist nur wenige Wochen dauert. ‘Wir plädieren dafür, dass die Mediation schnell in den Leistungskatalog aufgenommen wird’, sagt Köster.”

(fette Hervorhebungen durch die Verfasserin)

Anwälte sollten häufiger Mediation ins Spiel bringen

Sehr erfreut hat mich der Beitrag von Rechtsanwalt Michael Plassmann aus Berlin im Editorial des BRAKMagazin 01/2010 mit dem Titel “Mediation statt Klage – Warum eigentlich nicht?”


Berufsrecht, das Bundesverfassungsgericht und die Strategie

Rechtsanwalt Plassmann führt drei Gründe auf, warum Anwälte außergerichtliche Konfliktlösungsmechanismen wie die Mediation in ihre Beratung aufnehmen und konkret vorschlagen sollten:

“1. Berufsrechtliche: Die nationalen wie europäische Berufsregeln übertragen uns zum einen die Pflicht, unsere Mandanten (…) ‘konfliktvermeidend und streitschlichtend zu begleiten’. Zum anderen sollte der Rechtsanwalt ‘immer danach trachten, den Streitfall des Mandanten so kostengünstig wie möglich zu lösen, und sollte den Mandanten zum geeigneten Zeitpunkt dahingehend beraten, ob es wünschenswert ist, eine Streitbeilegung zu versuchen oder auf ein alternatives Streitbeilegungsverfahren zu verweisen’. Read more »

“Woran scheitern IT-Projekte?”

Laut dem dreiteiligen Artikel “Woran scheitern IT-Projekte?” von GULP (Teil 1, Teil 2, Teil 3) liegen viele Hindernisse auf dem Weg zu einem erfolgreichen IT-Projekt. Dazu gehören eben nicht nur technische Aspekte wie z.B. Insellösungen bei der IT-Architektur im Unternehmen, sondern auch Defizite im Bereich Softskills und Kommunikation:

  • unzureichende Softskills der Mitarbeiter
  • starre und dogmatische Unternehmensleitung mit zu wenig Kontakt zu den Projektteams
  • unklar formulierte Projektziele (selten ausreichend visualisiert)
  • unzureichende Kommunikation im Projektteam
  • fehlende oder unklare Kommunikation von Seiten der Auftraggeber

John Gage von Sun Microsystems sieht die Bedeutung zwischenmenschlicher Probleme: “Technology is easy – people are hard.” Ähnlich urteilen schweizerische Unternehmensberatungen: “Dem Faktor Mensch (was im Menschen ist) und dem Faktor Unternehmenskultur (was zwischen den Menschen abläuft), wird in IT-Projekten oft zuwenig Bedeutung geschenkt. Der Grund dafür ist vielfach mangelndes Wissen sowie mangelnde Methoden und Instrumente. Wer hat schon in seiner Informatikausbildung gelernt, wie man mit Konflikten umgeht? Wie man ein gutes Klima im Team schafft? Wie man mit schwierigen Persönlichkeiten umgeht? Wie man Verbindlichkeit erreicht? Wie man Gärtchendenken überwindet? Wie man auch in hektischen und turbulenten Zeiten effizient kommuniziert?”.” (Zitat aus Teil 1 des Artikels, fette Hervorhebung durch die Verfasserin)

Zwar stammt der Artikel bereits aus dem Jahr 2001, aber dennoch erscheint er mir sehr aktuell. Professionelle Unterstützung von Projekten im Hinblick auf Softskills und Kommunikation können an dieser Stelle ganz einfach und nachhaltig ändern. Dazu muss sich allerdings das Bewusstsein entwickeln, dass es diese Probleme gibt und dass sie Projekte tatsächlich scheitern lassen können. Was nichts anderes bedeutet, als dass sie nicht nur das Arbeits- und Betriebsklima schädigen, sondern die Unternehmen auch eine Menge Geld kosten.

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